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(idees.).Teil 1
Manometer: So einen Winter hatten wir schon lange nicht mehr: Schnee soweit das Auge reicht. Echte Eiszapfen - wie aus dem Bilderbuch. Weiße Schneeflocken - 24 Stunden am Tag. Und das in Ostwestfalen!
Ich mein: In Oberfranken und im Sieger- land ist Schnee im Winter ja völlig normal. Da wolln Se mit dem Auto in irgendein verschneites Dorf, und wenn Se Pech ham, bleiben Se vor der letzten Abbiegung irgendwo mitten im Wald in einem Schnee- hügel stecken. In Gefrees - Gefrees ist eine oberfränkische Kleinstadt zwischen Hof und Bayreuth - normalerweise das gefühlte Kältezentrum auf der deutschen Wetterkarte - in Gefrees und Umgebung scheinen im Winter regel- rechte Wettbewerbe im Schneehaufen- aufwerfen stattzufinden. Schnee-haufen-auf-werfen - alle paar Meter türmen sich am Straßenrand riesige Hügel aus Schnee. Meterhoch. Noch einer und noch einer und noch einer. Man fragt sich, wo die dat alle hernehmen, soviel Schnee. Hier bei uns in Ostwestfalen muss man normalerweise kucken, dass Kinder, Eltern, Ommas und Oppas den Schnee so schnell zusammenrollen, dass der Schneeman nicht bereits vor der Fertigstellung schon wieder zusammenschmilzt.
In Oberfranken und im Siegerland ist Schnee im Winter ja völlig normal. Aber hier in Ostwestfalen? Bei uns hat ein richtiger Winter nur einen Dreitagebart: Weihnachten ist grün - wie der Tannenbaum. Im Januar schneits - das hält sich dann drei Tage und danach ist der Schnee wech. Schneeregen (Schnegen) und Matsch, das ist ein ostwestfälischer Winter. Wo in diesem Jahr der viele Schnee wech kam, ist mir persönlich völlig schleierhaft.
In diesem Winter jedoch war alles anders: Das gefühlte Kältezentrum der deutschen Wetterkarte verschob sich direkt nach Ostwestfalen - ziemlich genau zwischen Borgentreich, Oldentrup und Hillegossen - mit ein paar eiskalten Ausläufern ;-) nach Mecklenburg- Vorpommern und an die deutsche Ostseeküste. Plötzlich war alles weiß.
Ich mein, so ein Winter hat ja auch seine Vorteile. Frühsport am Morgen -regelmäßig Schnee schüppen. Olympischer Dreikampf der Autofahrer: Schippen, Kratzen, Stau- stehen - so der Sprecher einer Nachrichten- sendung. Schneehaufenaufwerfen - in Gefrees - und jetzt auch in Ostwestfalen. Und - ganz neu - Eiszapfenabschlagen. Das ist zwar dekomäßig völlig daneben - in anderen Jahren hängt man sich mit viel Mühe künstliche Plastikeiszapfen vor die Fenster - aber bevor jemand die echten Eiszapfen auf den Kopf bekommt, ist das Eiszapfenabschlagen vielleicht doch die bessere Lösung.
Neben dem täglichen Frühsport hat der Winter in diesem Jahr noch einen Vorteil: Der Garten ist plötzlich ordentlich! Kein Unkraut, keine herumliegenden Gartengeräte, nix. So schön kann man den Rasen gar nicht trimmen, wie der Dauer- schnee ihn nun glattschneit. Flocke um Flocke um Flocke. Der Giebel von Nachbar Krummebalken ist auf einmal weiß und gerade - wie mit dem Lineal gezogen. Auch die Farben in der Stadt passen auf einmal wunderbar zueinander: Keine lilanen Fassaden von Familie Modemayer neben quietschgrünen Dächern von Frau Wohlgelaunt. In diesem Jahr ist alles weiß in weiß und passt voll gut zusammen.
Klaar, es gab auch den ein oder anderen Nachteil des winterlichen Schneegestöbers. Eine Bergregion in Ostwestfalen z. B., wurde für den Autoverkehr zweitweise komplett gesperrt. Gefühlt zumindest. Aber naja, man kann ja um das Gebirge rumfahren. Die Hauptverkehrswege waren immerhin frei. Zu dumm nur, dass man ohne Schneeketten mancherorts kaum zu den freigeräumten Hauptstraßen hin kam. Denn die Nebenstraßen wurden hier und da zwar nicht gesperrt, aber wegen der riesigen Schneemassen auch nicht geräumt. Was für die Autofahrer dann ungefähr aufs Gleiche rauskam ...
[Nicht alles wörtlich zu nehmen ;-)].
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